KBV und GKV-Spitzenverband haben erstmals eine Vereinbarung über digitale Vordrucke geschlossen

„Das ist ein praktischer und sinnvoller Einsatz der Digitalisierung“, kommentierte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) heute in Berlin. Ab 1. Juli können die niedergelassenen Ärzte ihre Laboraufträge digital ausstellen und übermitteln. Dies gilt für jährlich rund 94 Millionen Überweisungs- und Anforderungsscheine in Form der Laboraufträge Muster 10 und 10 A, die bisher ausschließlich in Papierform ausgestellt werden. Darauf einigten sich die KBV und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sie trafen erstmalig eine Vereinbarung über digitale Vordrucke.

„Dort, wo die Digitalisierung Sinn macht, treiben wir sie voran“, betonte der KBV-Chef. Die neue Vereinbarung wurde dem Bundesmantelvertrag als Anlage hinzugefügt. Sie regelt die Überweisung zum Labor und zum radiologischen Telekonsil (Anlage 2b). Das Ganze kann um weitere digitale Vordrucke erweitert werden.

Erste Anwendung findet das digitale Ausstellen und Übermitteln von Mustern ab dem 1. April zur Beauftragung des radiologischen Telekonsils, das dann als neue Leistung eingeführt wird.

Hintergrund: Die beiden Labormuster 10 und 10A zählen zu den am häufigsten genutzten Vordrucken. „Damit wollen wir die Kolleginnen und Kollegen von einem großen Stück papierner Bürokratie befreien. Es kann aber jeder selbst entscheiden, ob er künftig den digitalen oder den herkömmlichen Weg wählt“, sagte Gassen.

Quelle: KBV

HDZ NRW führt Simulatortraining für OP-Teams ein

Was für Piloten schon lange zur Pflicht zählt, soll jetzt auch im OP-Saal zu größerer Sicherheit bei unerwarteten Ereignissen beitragen. Als erste und größte Herzchirurgie in Deutschland richtet das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Gummert ein Echtzeit-Simulatortraining für Operationsteams ein.

Die Neuheit kommt aus den USA und wurde jetzt erstmals von Markus Rudloff, Tagungspräsident und Leiter der Kardiotechnik im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und der Jahrestagung für Kardiotechnik vom 11.-13. November in Weimar als integriertes, klinisches Pilotprojekt vorgestellt. Weltweit sind derzeit erst 30 Simulatorsysteme dieser Art (Hersteller: Biomed Simulation Inc., San Diego) im Einsatz.

Das Herzstück des nun erstmals in Deutschland verfügbaren Simulatorgerätes für OP-Teams enthält eine Software, die medizinische und technische Informationen der Anästhesie und Kardiotechnik während einer herzchirurgischen Operation erfasst. Die im HDZ daraus kombinierte Einheit bildet die Arbeitswelt im OP-Saal nach: Sie besteht aus einem Patienten-Dummy mit offenem Brustkorb, der an alle notwendigen Überwachungsgeräte und die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird. Über ein Regiepult können damit Ereignisse in einem OP-Saal simuliert und dabei auch Notfallsituationen nachgestellt werden.

"Aus der Luftfahrt ist bekannt, dass eine gestörte Kommunikation im Cockpit oft zu falschen Entscheidungen führt und damit Menschenleben gefährden kann", erläutert Professor Gummert. "Bei herzchirurgischen Eingriffen ist das Geschehen eher noch anspruchsvoller, denn in einem Operationssaal sind im Durchschnitt acht bis zehn Personen beteiligt." Bei dem neuen simulationsgesteuerten Fortbildungstraining gehe es daher nicht um chirurgische Fertigkeiten, sondern um das perfekte Zusammenspiel des Teams und die Minimierung der Risiken, die durch Koordinations- und Kommunikationsaufgaben entstehen können. "Bei der Operation ist nicht der einzelne Spezialist, sondern die Teamleistung aller Fachkräfte entscheidend." Der Simulator werde daher zukünftig als fester Bestandteil in der Ausbildung angehender Kardiotechniker aufgenommen werden, ergänzt Markus Rudloff.

Notfälle während der Operation
Die häufigsten Notfälle bei einer Herzoperation entstehen durch eine plötzliche Veränderung des Herz- Kreislaufzustands des Patienten, die zu Stress-Situationen für alle Beteiligte führen kann. Um die Ursachen schnellstmöglich zu finden, sind unzweideutige, direkte und offene Ansagen notwendig, mit der Operateure, Kardiotechniker, Anästhesist und Pflegefachkräfte einerseits über ihre Handlungen, andererseits über medizinische Befunde und Daten sowie über mögliche technische Mängel informieren.

"Mit Hilfe der Simulation soll es nun gelingen, die individuellen, organisatorischen, technischen oder auch hierarchiebedingten Faktoren zu erkennen, die sowohl das Team als auch das Teamumfeld bei der Arbeit stören können", beschreibt Markus Rudloff die neue Fortbildungsmaßnahme, die vom kommenden Jahr an turnusmäßig im OP-Bereich des HDZ NRW durchgeführt wird. Eine Herausforderung bedeutet dabei auch die Vielfalt der Informationsabhängigkeiten. Denn der Chirurg ist auf die richtigen Informationen des Anästhesisten und Kardiotechnikers angewiesen. Der Anästhesist benötigt für die Überwachung der Lebensdaten die wichtigen Informationen zu den Labordaten und zu den vom Kardiotechniker durchgeführten Einsätzen der Herz-Lungen-Maschine. Und die OP-Fachkräfte müssen das chirurgische Vorgehen kennen, um zur richtigen Zeit sterile Instrumente und Verbrauchsmaterial an- und nachreichen zu können.

4.000 herzchirurgische Eingriffe jährlich
"Das alles kann man trainieren, wobei wir mit dem Ziel der fortlaufenden Verbesserung aller Abläufe zunächst den Fokus auf das Trio Operateur-Anästhesist-Kardiotechnik richten", sagt Professor Gummert, in dessen Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie die meisten herzchirurgischen Eingriffe in Deutschland durchgeführt werden. 2015 waren es mehr als 4.100 am Herzen und den herznahen Gefäßen, ein Großteil davon mit Einsatz der Herz-Lungen-Maschine.

Das HDZ NRW ist besonders bekannt für minimalinvasive herzchirurgische Eingriffe sowie als Europas größtes Herztransplantationszentrum. Die Spezialklinik zur Versorgung von Herz- und Diabetespatienten ist Mitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit und bereits drei Mal mit dem Qualitätssiegel für Kommunikation und Transparenz im Gesundheitswesen (KTQ) ausgezeichnet. Das jetzt eingeführte Simulationstraining schließt an die qualifizierte Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter, das etablierte Fehlermanagement (CIRS) und zahlreiche weitere Maßnahmen des klinischen Qualitätsmanagements an.


Quelle: HDZ NRW

Big Data in der Krebsforschung: Mit „Datenbergen“ und 40 Millionen Euro gegen Leukämien

Führende europäische Wissenschaftler arbeiten an einer Datenbank, die eine zuverlässigere Prognose bei hämatologischen Erkrankungen ermöglicht und Rückschlüsse auf die bestmögliche Therapie für den einzelnen Patienten zulässt. Dafür tragen die Experten anonymisierte Patientendaten zu Erkrankungen wie Leukämien oder Lymphomen zusammen. Das Projekt HARMONY wurde von Professor Lars Bullinger, Leiter der Sektion Onkologie an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III, mitentwickelt. Die „Innovative Medicine Initiative“ fördert das Vorhaben mit insgesamt 40 Millionen Euro.

„Big Data“, also riesige Datenmengen und ihre intelligente Analyse, gilt als große Chance für die medizinische Forschung. In Zukunft könnten auch Patienten mit Erkrankungen des blutbildenden Systems von einer einmaligen „Datensammlung“ profitieren: Im Zuge des millionenschweren Projekts HARMONY (Healthcare Alliance for Resourceful Medicines Offensive against Neoplasms in HematologY) tragen 51 Partner aus 11 europäischen Ländern anonymisierte Patientendaten zusammen. Durch die Auswertung dieser „Datenberge“ sollen wertvolle Erkenntnisse zu Erkrankungen wie Leukämien (AML, CLL, ALL), Lymphomen, dem Multiplen Myelom, dem Myelodysplastischen Syndrom oder bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems bei Kindern gewonnen werden.

Das Projekt wurde maßgeblich vom Leiter der Sektion Onkologie an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III, Professor Lars Bullinger, mitentwickelt. Die Klinik gilt als führend bei der Behandlung hämatologischer Erkrankungen. Der Ärztliche Direktor Professor Hartmut Döhner ist zudem Sprecher des Leukämie-Sonderforschungsbereichs an der Uni Ulm und zählt zum wiederholten Male zu den weltweit meistzitierten Wissenschaftlern im Bereich „Klinische Medizin“.

Im Projekt HARMONY teilen renommierte Wissenschaftler, Ärzte sowie Vertreter von Patientenorganisationen und aus der Pharmaindustrie ihr Wissen sowie ihre Daten, um Erkrankungen des blutbildenden Systems bestmöglich zu verstehen, ihren Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten vorherzusehen. So entsteht auch ein europäisches Expertennetzwerk.

„Durch die neue Datenbank können wir Tausende Patientendaten auswerten und so schneller auf lebensrettende Therapien für bestimmte Subgruppen der Erkrankungen schließen. Aufgrund der hohen Fallzahlen lassen sich zudem noch zuverlässigere Prognosen für Patientengruppen abgeben und auch wichtige Fragen zur Lebensqualität angehen“, erklärt Professor Lars Bullinger, der eine der zentralen HARMONY Arbeitsgruppen koordiniert. Und auch für die Forschung ist die Plattform von unschätzbarem Wert: Die Analyse komplexer Daten hilft unter anderem dabei, Ziele für klinische Studien zu definieren oder den Erfolg neuer Behandlungsansätze nachzuvollziehen.

Das Projekt HARMONY ist Anfang Januar für eine Laufzeit von fünf Jahren gestartet. Es wird von der „Innovative Medicine Initiative“ (IMI), der größten öffentlich-privaten Initiative für die zügige Entwicklung von sicheren Medikamenten, mit 40 Millionen Euro gefördert. IMI ist ein gemeinsames Vorhaben der Europäischen Union und des Zusammenschlusses EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations) der Pharmazeutischen Industrie zur Forschungsförderung und für die Etablierung von Expertennetzwerken aus Wissenschaft und Industrie.

Neben der Ulmer Universitätsklinik sind die deutschen Universitäten Frankfurt, München (LMU) und Düsseldorf sowie unter anderem die Bayer AG beteiligt. Das Projektmanagement übernehmen auf „öffentlicher Seite“ die spanischen Einrichtungen „Instituto de Investigación Biomédica de Salamanca“ und „Instituto de Investigación Sanitaria del Hospital La Fe de Valencia“ sowie die Pharmaunternehmen Celgene International II SARL und Novartis als Vertreter der EFPIA.

Quelle: Universität Ulm

conhIT 2017: Call for Papers für Nachwuchspreis 2017 und eHealth-Slam gestartet

conhIT-Nachwuchspreis 2017: Gesundheits-IT-Branche fördert Talente
Mit der Zielsetzung die Vertreter der Gesundheits-IT-Branche und anderer Einrichtungen im Gesundheitswesen mit potentiellen Nachwuchskräften zusammenzubringen, knüpft die conhIT 2017, Europas führende Veranstaltung für Gesundheits-IT, die vom 25. bis zum 27. April 2017 auf dem Berliner Messegelände stattfindet, wieder an ihre Vorjahres-Aktivitäten im Bereich Karriere und Nachwuchsförderung an.

Die zahlreichen Angebote richten sich speziell an Studierende, die sich in den letzten Zügen ihres Studiums befinden, sowie Absolventen, die einen Berufsanstieg anstreben. Neben dem Karriere-Workshop, dem Karriere-Speed Networking, der Jobbörse und dem Karriere-Guide markiert dabei die Verleihung des conhIT-Nachwuchspreises 2017 das Highlight der Karriereaktivitäten.

Bis zum 2. März 2017 können sich Nachwuchstalente aus den Fachbereichen Medizininformatik, E-Health, Gesundheitsökonomie, Gesundheitsmanagement und Healthcare Management mit ihrer Bachelor- oder Master-Abschlussarbeit dafür bewerben. „Unter allen Einsendungen zeichnet dann die Jury, die sich aus Experten aus der Wissenschaft und Industrie zusammensetzt, die Arbeiten aus, die in besonderer Weise praktische Ansätze dafür liefern, wie die Gesundheitsversorgung mittels IT nachhaltig verbessert werden kann. Damit fungiert die conhIT nicht nur als Treffpunkt aller namhaften Hersteller von Healthcare-IT, sondern ist auch ein einmaliges Karrieresprungbrett für Absolventen“, erklärt Jens Naumann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Gesundheits-IT – bvitg e.V., dem Veranstalter der conhIT.

Das Preisgeld wird in 2017 nochmal erhöht und beträgt insgesamt 6.500 Euro. Zudem erhalten alle Teilnehmer ein Überraschungspräsent als Dankeschön sowie eine Freikarte für die conhIT 2017. Am 26. April 2017 bekommen die Finalisten die Gelegenheit ihre Arbeit dem Fachpublikum vorzustellen. Im Anschluss daran werden die Gewinner gekürt. Die Verfasser der besten Abschlussarbeiten haben darüber hinaus dann auch die Möglichkeit auf der conhIT an einem exklusiven Meet & Greet mit den Sponsoren der Preisgelder – namhaften Vertretern der Industrie – teilzunehmen.

Der conhIT-Nachwuchspreis findet im Rahmen der conhIT-Karriereaktivitäten statt, die 2017 von den Partnern Agfa Healthcare GmbH, CompuGroup Medical Deutschland AG, medatixx GmbH & Co. KG, MEIERHOFER AG und VISUS Technology Transfer GmbH unterstützt werden. Weitere Informationen finden Sie unter conhIT-Karriere und conhIT-Nachwuchspreis.

eHealth-Slam: Auf der Suche nach innovativen Trends
Eine Software zur elektronischen Patientenaufklärung oder ein Video-Dienst, mit dem sich Dolmetscher zum Arztbesuch von Flüchtlingen virtuell hinzu schalten lassen – auch in diesem Jahr können Software- und Appentwickler im Rahmen des eHealth-Slams auf der conhIT praxisnahe Projekte aus dem eHealth-Bereich einem breiten Publikum in unterhaltsamer Form präsentieren, egal ob als Gedicht, Interview oder Live-Experiment. Die drei besten Vorstellungen auf der conhIT-Networkingfläche werden mit einem Preisgeld in einer Gesamthöhe von 850 Euro prämiert.

Alle Interessierten können sich ab sofort bis zum 10. Februar 2017 bewerben. Einzureichen ist eine Bewerbung bestehend aus einem Kurzlebenslauf und einem knappen Abstract plus Kurzvideo zum Projekt. Unter allen Einsendungen wählt eine Jury, die sich aus Studierenden, Wissenschaftlern und Industrievertretern zusammensetzt, jene Projekte aus, die einen unterhaltsamen Vortrag zum dem eHealth-Sektor versprechen. Die ausgewählten Beiträge werden am 27. März 2017 bekanntgegeben.

Der eHealth-Slam, bei dem die Teilnehmer sechs Minuten Zeit haben, ihr  Thema bzw. Projekt zu präsentieren, findet auf der conhIT am 26. April statt. Dort wird dann das fachkundige Publikum die ersten drei Sieger küren. Zur conhIT werden 2017 mehr als 9.000 Besucher und über 450 Aussteller aus 16 Ländern erwartet.

Ebenfalls bis zum 10. Februar 2017 können sich Unternehmen für Kurzvorträge im Rahmen einer Innovationssession und für Messeführungen bewerben. Die Innovationssession zu innovativen Produkten, Ideen oder Trendthemen findet am 26. April 2017 von 14.15 bis 15.30 Uhr statt. Die thematischen Messeführungen dauern eine Stunde und stehen allen Besuchern kostenlos zur Verfügung. Aussteller der conhIT 2017 können sich für eine Produktpräsentation zu zehn verschiedenen Themen bewerben. Das Themenspektrum der Führungen reicht dabei von viel diskutierten Themen, wie Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS), Elektronische Patientenakte und IT-Sicherheit, über relevanten Zukunftsthemen, wie Intelligente Assistenzsysteme & Health, IT-Lösungen in der Pflege sowie Patient Empowerment, bis hin zu neuen Innovationen im Bereich mHealth, wie beispielsweise Apps & Wearables sowie FHIR (HL7).

Quelle: conhIT

Interaktive Mikroimplantate sollen die Verdauung regeln

Universitätsmedizin Mainz und Fraunhofer Institut wollen in gemeinsamem Forschungsprojekt Assistenzsystem für den Verdauungstrakt entwickeln.

Was nach Science Fiction klingt soll Realität werden: Die Entwicklung aktiv vernetzter Mikroimplantate, die die Beweglichkeit des Darms im richtigen Takt halten sollen. Der therapeutische Nutzen einer solchen Erfindung wäre zweifelsohne groß. Verschiedene Funktionsstörungen des Verdauungstraktes ließen sich damit erfolgversprechend behandeln. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut wollen Ärzte der Universitätsmedizin Mainz im Rahmen des Innovationsclusters INTAKT solch ein implantierbares Assistenzsystem entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert dieses Exzellenzprojekt mit insgesamt rund 9,5 Millionen Euro. Das Projekt ist Ende dieses Jahres gestartet.

Wenn die natürlichen Impulsgeber wie beispielweise Nervengewebe im Darm nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten, ist der Darm in seiner Funktionsweise beeinträchtigt. Abhilfe könnte ein steuerbares, implantierbares Assistenzsystem bringen, an deren Entwicklung Ärzte der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie (AVTC) der Universitätsmedizin Mainz beteiligt sind. Damit ließen sich potentiell funktionale Defizite und Gewebeschädigungen im Verdauungstrakt überbrücken. Ein solches minimalinvasiv zu implantierendes Assistenzsystem könnte als intelligenter Impulsgeber fungieren. Es könnte temporär oder dauerhaft die Beweglichkeit des längsten menschlichen Organs gewährleisten.

„Unser Ziel ist es, Implantate zu entwickeln, die abwechselnd die anregenden, verzögernden und koordinierenden Funktionen des Verdauungssystems übernehmen“, erklärt Prof. Dr. Werner Kneist. Konkret sollen bis zu zwölf Kleinimplantate an verschiedenen Stellen im Verdauungstrakt die Beweglichkeit von Speiseröhre, Magen und Darm gewährleisten. Die Kleinimplantate sollen durch elektrische Stimulation die Bewegungen der entsprechenden Verdauungsorgane herbeiführen. Darüber hinaus sollen sie miteinander vernetzt sein und optisch oder per Funk miteinander kommunizieren und steuerbar sein. Eine interaktive Ankopplung an externe Datenbanken und Netze soll möglich sein.

„Digitale Technologien zur Behandlung von Verdauungsstörungen einzusetzen, ist ausgesprochen vielversprechend. Denn diese als Electroceuticals bezeichneten interaktiven Mikroimplantate entfalten ihre Wirkung im Gegensatz zu Medikamenten ausschließlich auf lokaler Ebene und gelten als nebenwirkungsarm“, betont Prof. Werner Kneist von der Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie (AVTC), der das Projekt an der Universitätsmedizin leitet. Das Assistenzsystem soll so funktionieren, dass es sich nicht nur vom betreuenden medizinischen Fachpersonal sondern auch vom Patienten steuern lässt.

„Dieses Projekt steht für eine völlig neue Form der Interaktion von Mensch und Technik“, unterstreicht der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie (AVTC) der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Hauke Lang.

Erste Versuchsreihen für die gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut zu entwickelnden Mikroimplantaten starten im ersten Quartal 2017.

Wenn der Arzt per Webcam zur Visite kommt

Die Universität Bielefeld untersucht bis 2019 drei neue Projekte für zeitgemäße Gesundheitsversorgung. Sie setzen auf innovative Konzepte wie ärztliche Televisiten, Videokonferenzen von Medizinern, Online-Videotelefonie für ältere Menschen und digitale Medikationspläne. Für die wissenschaftliche Analyse der Projekte hat die Universität Bielefeld jetzt eine Förderzusage über mehr als eine Million Euro erhalten. Die Projektförderung startet Anfang dieses Jahres.

Die Mittel kommen aus dem bundesweiten Innovationsfonds zur Gesundheitsversorgung in Deutschland. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen moderne Gesundheitskonzepte für Seniorinnen und Senioren, chronisch Kranke sowie Patienten in Krankenhäusern und ambulanten Praxen.

„Wir untersuchen, wie sich die Projekte auf die Versorgungssituation der Versicherten auswirken“, sagt Professor Dr. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Der neue Innovationsfonds fördert erstmals ab 2017 Projekte, die neue Konzepte für die Regelversorgung von Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen entwickeln. „Patienten sollen besser versorgt werden, ihre Behandlung und Betreuung sollen wirtschaftlicher werden.“

Digitale Medien setzt das Projekt „TELnet@nrw“ ein, mit dem sich Ärztinnen und Ärzte untereinander austauschen und Patienten auch aus der Ferne behandeln können. Telemedizin nennt sich dieser Ansatz. Medizinische Behandlungen werden zunehmend komplexer, Ärztinnen und Ärzte sind heute hoch spezialisiert. Das neue Gesundheitsnetzwerk TELnet@nrw soll dafür sorgen, dass Patienten schnell die Einschätzung von Spezialisten erhalten. In dem Projekt beraten und betreuen die zwei Universitätskliniken in Aachen und Münster über digitale Medien 17 Krankenhäuser der Grundversorgung und zwei Ärztenetze in Bünde und Köln mit insgesamt rund 130 Ärztinnen und Ärzten. Die Universitätskliniken stellen ihr Wissen durch Televisiten, Expertenchats und Fortbildungen via Internet zur Verfügung. Für diese Vernetzung setzt das Projekt eine sichere und datenschutzkonforme Technik ein. In den kommenden drei Jahren sollen rund 50.000 ambulante und stationäre Patienten von dem Projekt profitieren.

Wer fünf oder mehr Medikamente nimmt, muss mit Wechselwirkungen rechnen. Arzneien, die nicht zueinander passen, können etwa das Gleichgewicht stören und die Wirksamkeit der Arzneimittel senken. Das Projekt AdAM soll mit digitalen Medikamentenplänen Abhilfe schaffen und Polypharmazie vermeiden. Der Name steht für „Anwendung für digital unterstütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungsmanagement“. Dank des neuen Systems soll der Hausarzt künftig die Arzneitherapie koordinieren und optimieren. Damit erkennt er Doppelverordnungen, Wechselwirkungen oder Dosierungsfehler und kann reagieren. Partner des Projekts sind neben der Universität Bielefeld die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, die BARMER, die Universitäten Köln, Frankfurt am Main, Bochum und die Universitätsklinik Köln.

Das Projekt NetzWerk LebenPlus (NWLP) will selbstbestimmtes Leben auch im hohen Alter ermöglichen – wenn möglich und gewünscht in den eigenen vier Wänden. Ausgangspunkt des Netzwerks ist die Analyse der Ressourcen und Gesundheitsrisiken der älteren Menschen, die an dem Projekt teilnehmen. Eine digitale Kommunikationsplattform unterstützt die Arbeit des Netzwerks. Geplant sind zum Beispiel die Online-Videotelefonie mit Angehörigen und Ärzten, ein digitaler Medikationsplan und Online-Coachings. In dem Projekt NetzWerk LebenPlus kooperiert die Universität Bielefeld mit der Techniker Krankenkasse, der BARMER, der DAK Gesundheit, der Knappschaft, dem Albertinen-Krankenhaus und dem Albertinen-Haus, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Unternehmen CIBEK technology + trading und der Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie am Albertinen-Haus, Universität Hamburg.

Die Bundesregierung will neue Versorgungsformen und versorgungsbezogene Forschungsprojekte in der gesetzlichen Krankenversicherung fördern. Sie will insbesondere die sektorübergreifende Versorgung in Deutschland unterstützen, also stationäre und ambulante Behandlungen besser verbinden. Am 20. Oktober 2016 hat der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) über die ersten Projekte entschieden, die finanzielle Mittel aus dem Innovationsfonds erhalten sollen. In dem Gemeinsamen Bundesausschuss sind für ganz Deutschland Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen organisiert. Der Ausschuss hat Förderzusagen über mehr als 220 Millionen Euro erteilt.

Quelle: Universität Bielefeld

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