Interprofessionelles Simulationstraining für den Notfall an der Charité gestartet

Ob Herzinfarkt oder Verkehrsunfall – Notfallsituationen erfordern ein reibungsloses Miteinander von Rettungsdienst, Notaufnahme und Klinik. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat jetzt das Simulationstraining IN-PRO-SIM für Medizinstudierende, Fachweiterbildende der Notfallpflege und angehende Notfallsanitäter der Berliner Feuerwehr gestartet.

Im Lernzentrum der Charité konnten sich heute 46 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zielgerichteter Kommunikation und teamübergreifender Zusammenarbeit bei der Versorgung von Notfällen üben. Es wurde gemeinsam trainiert: beginnend mit der Versorgung am Unfallort, dem Transport und der Übergabe der Patienten in der Rettungsstelle bis hin zur ärztlichen Versorgung. Behandelt wurden beispielsweise ein verunglückter Radfahrer, der nach einem schweren Sturz über Schmerzen in der Hüfte und im Halswirbelbereich klagt, sowie ein Mann, der auf dem Fußballplatz kollabiert ist und noch während des Transports von den Sanitätern wiederbelebt werden muss. Die Szenarien wurden mit Simulationspatienten und Simulationspuppen geprobt. Die Instruktoren gaben den Teilnehmern im Anschluss ein Feedback zur Versorgung der Patienten und vor allem zur Arbeit im interprofessionellen Team.
    
Für die Charité steht die praxisorientierte Ausbildung im Fokus. Mit dem Projekt IN-PRO-SIM wird bereits im frühen Stadium der Ausbildung die interprofessionelle Zusammenarbeit trainiert. Bei ihrem Abschluss verfügen die Absolventen dann über einen großen Erfahrungsschatz, der ihnen speziell in diesen herausfordernden Situationen eine Sicherheit gibt. In diesem Jahr wird es insgesamt fünf Simulationstrainings geben, bei denen sich der notfallmedizinische Nachwuchs für den Ernstfall vorbereiten kann.

Wenn der Arzt per Webcam zur Visite kommt

Die Universität Bielefeld untersucht bis 2019 drei neue Projekte für zeitgemäße Gesundheitsversorgung. Sie setzen auf innovative Konzepte wie ärztliche Televisiten, Videokonferenzen von Medizinern, Online-Videotelefonie für ältere Menschen und digitale Medikationspläne. Für die wissenschaftliche Analyse der Projekte hat die Universität Bielefeld jetzt eine Förderzusage über mehr als eine Million Euro erhalten. Die Projektförderung startet Anfang dieses Jahres.

Die Mittel kommen aus dem bundesweiten Innovationsfonds zur Gesundheitsversorgung in Deutschland. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen moderne Gesundheitskonzepte für Seniorinnen und Senioren, chronisch Kranke sowie Patienten in Krankenhäusern und ambulanten Praxen.

„Wir untersuchen, wie sich die Projekte auf die Versorgungssituation der Versicherten auswirken“, sagt Professor Dr. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Der neue Innovationsfonds fördert erstmals ab 2017 Projekte, die neue Konzepte für die Regelversorgung von Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen entwickeln. „Patienten sollen besser versorgt werden, ihre Behandlung und Betreuung sollen wirtschaftlicher werden.“

Digitale Medien setzt das Projekt „TELnet@nrw“ ein, mit dem sich Ärztinnen und Ärzte untereinander austauschen und Patienten auch aus der Ferne behandeln können. Telemedizin nennt sich dieser Ansatz. Medizinische Behandlungen werden zunehmend komplexer, Ärztinnen und Ärzte sind heute hoch spezialisiert. Das neue Gesundheitsnetzwerk TELnet@nrw soll dafür sorgen, dass Patienten schnell die Einschätzung von Spezialisten erhalten. In dem Projekt beraten und betreuen die zwei Universitätskliniken in Aachen und Münster über digitale Medien 17 Krankenhäuser der Grundversorgung und zwei Ärztenetze in Bünde und Köln mit insgesamt rund 130 Ärztinnen und Ärzten. Die Universitätskliniken stellen ihr Wissen durch Televisiten, Expertenchats und Fortbildungen via Internet zur Verfügung. Für diese Vernetzung setzt das Projekt eine sichere und datenschutzkonforme Technik ein. In den kommenden drei Jahren sollen rund 50.000 ambulante und stationäre Patienten von dem Projekt profitieren.

Wer fünf oder mehr Medikamente nimmt, muss mit Wechselwirkungen rechnen. Arzneien, die nicht zueinander passen, können etwa das Gleichgewicht stören und die Wirksamkeit der Arzneimittel senken. Das Projekt AdAM soll mit digitalen Medikamentenplänen Abhilfe schaffen und Polypharmazie vermeiden. Der Name steht für „Anwendung für digital unterstütztes Arzneimitteltherapie- und Versorgungsmanagement“. Dank des neuen Systems soll der Hausarzt künftig die Arzneitherapie koordinieren und optimieren. Damit erkennt er Doppelverordnungen, Wechselwirkungen oder Dosierungsfehler und kann reagieren. Partner des Projekts sind neben der Universität Bielefeld die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, die BARMER, die Universitäten Köln, Frankfurt am Main, Bochum und die Universitätsklinik Köln.

Das Projekt NetzWerk LebenPlus (NWLP) will selbstbestimmtes Leben auch im hohen Alter ermöglichen – wenn möglich und gewünscht in den eigenen vier Wänden. Ausgangspunkt des Netzwerks ist die Analyse der Ressourcen und Gesundheitsrisiken der älteren Menschen, die an dem Projekt teilnehmen. Eine digitale Kommunikationsplattform unterstützt die Arbeit des Netzwerks. Geplant sind zum Beispiel die Online-Videotelefonie mit Angehörigen und Ärzten, ein digitaler Medikationsplan und Online-Coachings. In dem Projekt NetzWerk LebenPlus kooperiert die Universität Bielefeld mit der Techniker Krankenkasse, der BARMER, der DAK Gesundheit, der Knappschaft, dem Albertinen-Krankenhaus und dem Albertinen-Haus, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Unternehmen CIBEK technology + trading und der Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie am Albertinen-Haus, Universität Hamburg.

Die Bundesregierung will neue Versorgungsformen und versorgungsbezogene Forschungsprojekte in der gesetzlichen Krankenversicherung fördern. Sie will insbesondere die sektorübergreifende Versorgung in Deutschland unterstützen, also stationäre und ambulante Behandlungen besser verbinden. Am 20. Oktober 2016 hat der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) über die ersten Projekte entschieden, die finanzielle Mittel aus dem Innovationsfonds erhalten sollen. In dem Gemeinsamen Bundesausschuss sind für ganz Deutschland Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen organisiert. Der Ausschuss hat Förderzusagen über mehr als 220 Millionen Euro erteilt.

Quelle: Universität Bielefeld